Regionalzughalt am Kolumbusplatz wäre machbar und nützlich
Aus verkehrsplanerischer Sicht erscheint ein Regionalzughalt am Münchner Kolumbusplatz technisch machbar, wirtschaftlich tragfähig und von hohem Fahrgastnutzen.
Wenn wir an einer echten Verkehrswende arbeiten wollen und glauben, dass das Fahrrad dabei eine wichtige Rolle spielt, müssen wir verstehen, warum John Lennon und Yoko Ono 1969 mit einem Fahrrad im Bett lagen.
Marco te Brömmelstroet ist Professor für Urbane Mobilitätszukünfte an der Universität Amsterdam. Er untersucht, wie Weltanschauungen und Narrative in unserem aktuellen Mobilitätssystem verfestigt werden. Der Schwerpunkt bei unserer Debatte war die Verwendung und Bedeutung von Sprache. Ziel ist es, nicht nur eine Mobilitätswende zu fordern und herbeizuführen, sondern eine Gesellschaftswende.
Sprache sorgt zunächst für notwendige Vereinfachung. Mit Sprache kann leicht kommuniziert werden. Metaphern wie „Zeit ist Geld“ sind prägnant. Dann ist es klar, dass beim Vereinfachen willkürliche Entscheidungen getroffen werden. Die Sprache wirkt wie eine Linse, nicht wie ein Spiegel. Der Fokus wird auf einen Aspekt gelegt, der beim Sprechen als der Wichtige erscheint.
Mit neuer Sprache entstehen auch neue Realitäten. Als Beispiel nannte Marco den Urwald, der Ende des 18. Jahrhunderts durch einen Nutzwald abgelöst wurde. Die Forstwirtschaft benutzt hierzu ihr eigenes Vokabular, wie z. B. den „Normalbaum“. In ähnlicher Form wurde mit der beginnenden Serienproduktion von Autos in den 1920ern die Verkehrstechnik wichtig. Sie entstand ursprünglich durch Ingenieure, deren Hintergrund in der Abwassertechnik lag. So wurden Durchsatz, Schnelligkeit, Effizienz zu den bestimmenden Charakteristiken unseres Verkehrs, die Straßen und Verkehrsflächen wurden entsprechend optimiert. In gleichem Maß wurde die Gerechtigkeit in unseren Straßen verringert; zugunsten des motorisierten Verkehrs bekamen die anderen Verkehrsteilnehmenden weniger Raum, weniger Berücksichtigung.
Eine absolute Neuigkeit für VCD Debatten: Marco griff den Song „Imagine“ auf, mit eigenem Text sang er über die „Visionen“ des Radfahrens.
Die anschließende Debatte zeigte viel Zustimmung zur Idee, über neue Sprache auch Realität beeinflussen zu können. So könnte man am Ende der Nachrichten berichten, wie viele Unfalltote und Verletzte im Verkehr es in der vergangenen Woche gab. Statt die Staus auf den Straßen aufzuzählen. Ein Teilnehmer berichtete von Schwierigkeiten beim Einrichten von Pop-up-Radwegen während Corona. Obwohl als Demo angemeldet, wurde die Aktion von Anwohnenden und Presse niedergemacht. Marco schlug vor, in solchen Situationen den Fokus anders zu setzten: Würde die Aktion mit großem Nutzen für Kinder aufgezogen, statt Verkehr und Radler*innen zu nennen, wäre der Widerstand geringer.
Generell sollten wir alle, gerade wenn wir uns um eine gerechtere Verteilung der Straßen bemühen, genau überlegen, mit welchen Bildern und in welcher Sprache wir dies tun. So ist z. B. der Gehweg ja nicht nur für den Fußverkehr da, sondern auch für die radelnden kleineren Kinder. Sich eine genauere Wortwahl anzueignen erfordert viel Aufmerksamkeit.
Der Flugverkehr ist in diesen Tagen im Verbund der Verkehrsmittel schlecht angesehen. Seine Belastung fürs Klima ist relevant, die Menge der Flüge und die gesamten Flugkilometer sind Anstoß für Kritik.
Alfred Schreiber ist nicht nur Vorsitzender des VCD-Kreisverbands Freising/Erding/Dachau, sondern leitet auch den bundesweiten VCD-Arbeitskreis Flugverkehr. Zudem ist er Mitglied im Beratenden Ausschuss nach §32a Luftverkehrsgesetz (Gremium zur Beratung der Bundesregierung). An diesem Debattenabend stellte er seine Sicht auf den Flugverkehr dar und stand bei Fragen und Anmerkungen Rede und Antwort.
Er sprach etliche Probleme des Flugverkehrs an. Der Effekt des überbordenden Tourismus wurde am Rande genannt, der für viele Urlaubsregionen kaum mehr auszuhalten ist. Aber der Schwerpunkt lag auf den Effekten fürs Klima. Die erwartete Zunahme des Verkehrs in den kommenden 30 Jahren wurde genannt, aber auch die Subventionierung des Flugverkehrs. Gegen schnelle technische Verbesserungen sprechen die enorm langen Entwicklungszyklen bei Flugzeugen und Antrieben. Für „grüne“ Treibstoffe steht in Deutschland nicht genug Energie zur Verfügung. Das Reiseverhalten jeder und jedes Einzelnen kann sich natürlich so ändern, dass weniger geflogen wird. Wenn dann ein weiter Flug dennoch gemacht wird, bitte nicht mehrmals im Jahr. Und bei kurzen Strecken ganz aufs Fliegen verzichten.
Die Diskussion griff etliche Punkte auf. Ein wesentlicher Aspekt war die Umweltbelastung, welche nicht nur CO2 und andere Klimagase betrifft, sondern auch Lärm und Ultrafeinstaub. Das Entschwefeln des Kerosins ist eine Möglichkeit zur Verringerung der Feinstaub-Belastung, wird aber bisher kaum durchgeführt (Wien als positive Ausnahme). Auch der Betrieb der Schleppfahrzeuge könnte durch Elektroantrieb zur Verringerung beitragen, ist aber bisher kaum über den Pilotprojekt-Stand hinausgekommen.
Warum wird überhaupt so viel geflogen? Der verstärkte Einsatz von Home Office und Videocalls hatte in den letzten Jahren eine Verringerung der Flüge zur Folge. Jedoch ist im Augenblick eine zunehmende Nachfrage nach Urlaubs- und Vergnügungsreisen zu beobachten. Dies resultiert auch weitgehend in Fernreisen. Dass Fernreisen gegenüber Kurzstrecken eine viel höhere Belastung des Klimas erzeugen, stellt klar, wie kritisch diese Verschiebung zu sehen ist. Also lieber Urlaub im Schwarzwald als auf Bali! Und damit keine Notwendigkeit für einen Flug.
Ein weiteres leidiges Thema war die sehr umstrittene dritte Startbahn. Es wurde befürchtet, dass sowohl die geplante Eventarena als auch eine mögliche Nutzung der Arena für eine Olympiade einen Kick für den Bau der Dritten geben könnte. Dies wird etwas entkräftet durch die Beobachtung, dass zunehmend weniger Umsteigeverbindungen geflogen werden, sondern mehr Direktverbindungen. Dies reduziert die Flugbewegungen insgesamt.
Auch die Flughöhe wurde als Steuerelement für Klimabelastung angesprochen. Je höher ein Flugzeug fliegt, desto weniger Verbrauch und damit Abgase hat es. Andererseits sind in großen Höhen die Effekte der Abgase aufs Klima drastisch anders. Aus finanziellen Gründen dürften auf absehbare Zeit kaum Anreize für ein Fliegen in geringeren Höhen entstehen.
Umstritten war die Bedeutung einer ICE-Anbindung des Flughafens. Trotz aller Vorteile, welche eine Anreise zum Flughafen per Bahn gegenüber einer Anreise per Pkw oder gar Flugzeug bietet, scheint eine Anbindung eher als Anreiz für noch mehr Flüge zu dienen.
Die Mitglieder des Kreisvorstandes werden alle 2 Jahre gewählt. Seit der Jahreshauptversammlung am 13. November 2025 gehören dem Vorstand acht Mitglieder an.
Politik für Menschen, nicht für Autos! Münchens Innenstadt wird wieder der IAA Mobility untergeordnet
Im September 2025 kehrt die Internationale Automobilausstellung (IAA) zurück nach München – mit glänzenden Karossen, leeren Versprechen und einer Vision der Zukunft, die im Stau steht. In München radeln wir deshalb auf die Straße!
Olympia macht Spaß, Olympia ist super! Alle haben was davon, alle profitieren, die Spiele schaden niemandem, sie sind nachhaltig, sie bringen die ganze Region voran! Olympia 1972 hat München vom Dorf zur Weltstadt katapultiert – das wollen wir nochmal!
Diesen sehr optimistischen Ansatz für eine Bewerbung Münchens für eine der Olympiaden 2036, 2040 oder 2044 sah Florian Kaiser, politischer Referent beim BN in München, als nichtzutreffend an. Nach seiner Präsentation bei der VCD Debatte war klar, welche Haken und Ösen mit solch einer Bewerbung verbunden sind. Bis zum Ratsentscheid, der am 26. Oktober in München abgehalten wird, sollte sich die Bevölkerung ein klares Bild über die Auswirkungen machen, wo sie ihr Kreuzchen setzen. Der Vortrag und die anschließende Diskussion waren sehr hilfreich dafür.
Ein besonders heikler Punkt ist die Rolle des IOC. Als privatwirtschaftlich organisierter Verein, dessen Ziel vor allem in Gewinnerzielung besteht, stellt der Vertrag mit dem Ausrichter der Spiele, der so genannte Host City Contract, eine Reglementierung dar, welche der Stadt wenig Möglichkeiten für freie Entscheidungen offenlässt. Viele Einschränkungen vor und während der Spiele werden vorgegeben. Das IOC hat zwar seine Verfahren aktualisiert und teilweise reformiert, aber das Ergebnis ist vollkommen unklar.
Da man speziell die Investitionen in zusätzliche Verkehrsinfrastruktur häufig als Vorteil einer Olympia-Ausrichtung sieht, sollten die hierbei entstehenden Maßnahmen genau unter die Lupe genommen werden: Was ist wirklich sinnvoll? Helfen neue ÖV-Linien oder Straßen auch langfristig? Können geplante Erweiterungen rechtzeitig fertig werden? Ähnliche Sorge betrifft den Bau des Olympischen Dorfs in Daglfing. Unbestritten werde Baumaßnahmen auf Straße und Schiene zu erheblichen Behinderungen und Einschränkungen führen.
In der Diskussion wurden viele Meinungen geäußert, die sich ebenfalls gegen eine Bewerbung Münchens aussprechen. Der VCD-Landesverband hingegen sieht auch Chancen in der Bewerbung, weil Infrastrukturverbesserungen beschleunigt oder mit finanzieller Unterstützung leichter durchzuführen sind. Dass hierbei aber andere, konkurrierende Maßnahmen auf der Strecke bleiben, wurde von anderen Teilnehmenden dagegen angeführt.
Die von der Stadt als „gute Gründe“ für die Bewerbung aufgeführten Punkte erwecken den Eindruck, dass viele Ideen noch nicht ausgegoren sind. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass die Bewerbung allenfalls mit Möglichkeiten ins Rennen gehen will, aber nicht mit konkreten Planungen.
Für den Münchner Verkehr spielt auch die temporäre Nutzung der geplanten Event-Arena am Flughafen eine wichtige Rolle. Nicht nur, dass diese Arena vom VCD-Kreisverband Freising und anderen vehement abgelehnt wird, würde ihre Nutzung bei der Olympiade möglicherweise dazu führen, dass der Flughafen doch noch seine dritte Startbahn bekommt. Dies muss verhindert werden.
Sicherheit vor dem Autoverkehr – Leben schützen statt gefährden!
Nach dem furchtbaren Unglück an der Trambahnhaltestelle Donnersbergerstraße, bei dem zwei auf die Trambahn wartende Personen durch den Autoverkehr getötet wurden, luden mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen zu einer gemeinsamen Gedenk-Kundgebung ein. Am Donnerstag, den 26. Juni 2025, versammelten sich ca. 40 Münchner*innen an der Unfallstelle.
Von A nach Berg – bequem, schnell und klimafreundlich
Berge erleben. Berge erhalten. Nach dieser Vision fördert der Alpenverein München & Oberland klimafreundlichen und naturverträglichen Bergsport. Franziska L. verantwortet bei der Sektion Oberland des DAV e. V. seit drei Jahren den Bereich Natur- und Umweltschutz, alpine Raumplanung (NUR), wo unter anderem die Bestrebungen hinsichtlich klimafreundlicher Mobilität verankert sind. Sie stellte die DAV-Aktivitäten in einer sehr anschaulichen Präsentation vor.
Nach einer Einleitung, welche die beeindruckenden Mitgliederzahlen und Aktivitäten nannte, führte sie einige Folgen der Klimakrise an. Dass An- und Abreise weitgehend mit Privat-Pkws erfolgt, und welche negativen Folgen dies hat, wurde ebenfalls genannt. Auch alternative Ansätze mit ÖPNV scheitert an einer Vielzahl an Hindernissen.
Als positiver Ansatz kam dann der Bergbus ins Spiel, der seit einigen Jahren erfolgreich München mit der Bergwelt verbindet. Die Erweiterung des MVV-Gebiets ist für einige Strecken eine zusätzliche Erleichterung. Dazu kommt das DAV-Mitfahrbankerl, eine noch recht junge Ergänzung, welche Pkw-Fahrten reduzieren kann.
In der anschließenden Debatte merkte man, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpften. So wurde genannt, wie die Beschilderung zu den Wanderwegen an etlichen Haltestellen des öffentlichen Verkehrs noch erheblich verbessert werden müsste. Die finanzielle Unterstützung von zusätzlichen Buslinien durch die Landkreise ist eine Herausforderung. Die politischen Entscheidungsträger ziehen in manchen Landkreisen nicht so recht. Tirol wurde als vorbildlich genannt, nicht nur wegen der landesweiten Tarifstruktur für den ÖV. Auch das Angebot ist wohl deutlich besser als in Bayern.
Vielen Dank für die interessante Präsentation, und für die guten Gespräche!