
Autofreie Siedlung Köln – lebenswertes Wohnen dank innovativem Mobilitätskonzept
Die meisten Neubausiedlungen werden nach wie vor überwiegend für das Auto geplant, was zu hohem Flächenverbrauch, CO2-Emissionen und Energieverbrauch führt und die Aufenthaltsqualität enorm beeinträchtigt.
Zukunftsweisende Mobilitätskonzepte für den Siedlungsbau räumen hingegen den dort wohnenden Menschen die höchste Priorität ein. Dadurch wird die Aufenthalts- und Lebensqualität maximiert, ohne zu Lasten der persönlichen Mobilität zu gehen. Dies lässt sich vor allem in Bereichen umsetzen, in welchen im „Speckgürtel“ einer großen Stadt neu gebaut wird.
Hans-Georg Kleinmann, gelernter Systemanalytiker und seit einigen Jahren Referent beim Verkehrsclub Deutschland für das Projekt „Wohnen und Mobilität“, stellte die Siedlung Stellwerk60 in Köln-Nippes vor. In seiner Präsentation spannte er den Bogen von den ersten Anfängen der Planung im Jahr 1994 bis zum Abschluss der Bebauung 2013. Der VCD hatte kräftig mitgeholfen. Speziell die Abstimmung mit den Behörden brauchte Zeit und intensive Gespräche.
Stellwerk60 besteht aus 440 Wohnungen bzw. Einfamilienhäusern, zu denen gerade mal 80 Plätze in einem mehrgeschoßigen Parkhaus und noch einmal halb so viele Besucher- und Carsharingparkplätze gehören. Der Soll-Stellplatzschlüssel liegt damit bei 0,2; tatsächlich dürfte er eher bei 0,35 liegen, immer noch ein sehr guter Wert für ein Leben ohne eigenen Pkw. Interessant: Etwa 83 % der Wohneinheiten sind vermietet, 17 % sind Eigentum. Mit einer entsprechenden Verpflichtung, auf ein eigenes Auto zu verzichten oder nicht.
Mit vielen Bildern wurde die Nutzung der Wege innerhalb der Siedlung gezeigt, wo vor allem auch Kinder problemlos spielen und sich bewegen können. Auch die Erreichbarkeit von Wohnung und ÖPNV für mobilitätseingeschränkte Personen ist gewährleistet. Für die meisten Wege des täglichen Lebens ist tatsächlich kaum ein Auto erforderlich. S-Bahn oder Bus sind in typisch 600 Metern Entfernung zu erreichen, auch eine große Einkaufsstraße. In die Innenstadt von Köln kommt man in etwa 15 Minuten, und zwar mit dem Fahrrad! Die Räder können in Fahrradtiefgaragen oder vor den Häusern abgestellt werden.
In der Diskussion wurden viele Fragen beantwortet, die während der Präsentation hochgekommen waren. So konnte bestätigt werden, dass Notdienste (Feuerwehr, Müllabfuhr usw.) ohne Schwierigkeiten auf den breiteren Wegen der Siedlung ihr Ziel erreichen können. Paket- und einige Lieferdienste haben inzwischen entweder auf fahrrad-basierte Auslieferung umgestellt, oder stellen die Pakete mit kleinen, mobilen Karren vom abgestellten Fahrzeug aus zu.
Ein Prototyp wie diese Siedlung würde vielleicht heute etwas anders aufgezogen: So würde man das Parkhaus wohl an eine Stelle platzieren, an der es besser von außen erreichbar ist, um das Durchfahren eines Nachbarquartiers zu vermeiden. Aber sehr viele Aspekte der damaligen Planung sind auch heute gültig und haben sich bewährt. Insgesamt wäre ein neuer Standard erforderlich, wie man Neubaugebiete anlegt: mit weniger Versiegelung, höherem Aufenthaltswert, und einer hohen Anpassungsfähigkeit an zukünftige Mobilität. Einige Mobilitätselemente können und sollten durchaus auch in Bestandsquartieren implementiert werden.
Vielen Dank für die aufschlussreiche und inspirierende Präsentation, und für die guten Gespräche!
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