Debatte vom 20. November 2025

Zukunft Flugverkehr – die grenzenlose Freiheit?
Der Flugverkehr ist in diesen Tagen im Verbund der Verkehrsmittel schlecht angesehen. Seine Belastung fürs Klima ist relevant, die Menge der Flüge und die gesamten Flugkilometer sind Anstoß für Kritik.
Alfred Schreiber ist nicht nur Vorsitzender des VCD-Kreisverbands Freising/Erding/Dachau, sondern leitet auch den bundesweiten VCD-Arbeitskreis Flugverkehr. Zudem ist er Mitglied im Beratenden Ausschuss nach §32a Luftverkehrsgesetz (Gremium zur Beratung der Bundesregierung). An diesem Debattenabend stellte er seine Sicht auf den Flugverkehr dar und stand bei Fragen und Anmerkungen Rede und Antwort.
Er sprach etliche Probleme des Flugverkehrs an. Der Effekt des überbordenden Tourismus wurde am Rande genannt, der für viele Urlaubsregionen kaum mehr auszuhalten ist. Aber der Schwerpunkt lag auf den Effekten fürs Klima. Die erwartete Zunahme des Verkehrs in den kommenden 30 Jahren wurde genannt, aber auch die Subventionierung des Flugverkehrs. Gegen schnelle technische Verbesserungen sprechen die enorm langen Entwicklungszyklen bei Flugzeugen und Antrieben. Für „grüne“ Treibstoffe steht in Deutschland nicht genug Energie zur Verfügung. Das Reiseverhalten jeder und jedes Einzelnen kann sich natürlich so ändern, dass weniger geflogen wird. Wenn dann ein weiter Flug dennoch gemacht wird, bitte nicht mehrmals im Jahr. Und bei kurzen Strecken ganz aufs Fliegen verzichten.
Die Diskussion griff etliche Punkte auf. Ein wesentlicher Aspekt war die Umweltbelastung, welche nicht nur CO2 und andere Klimagase betrifft, sondern auch Lärm und Ultrafeinstaub. Das Entschwefeln des Kerosins ist eine Möglichkeit zur Verringerung der Feinstaub-Belastung, wird aber bisher kaum durchgeführt (Wien als positive Ausnahme). Auch der Betrieb der Schleppfahrzeuge könnte durch Elektroantrieb zur Verringerung beitragen, ist aber bisher kaum über den Pilotprojekt-Stand hinausgekommen.
Warum wird überhaupt so viel geflogen? Der verstärkte Einsatz von Home Office und Videocalls hatte in den letzten Jahren eine Verringerung der Flüge zur Folge. Jedoch ist im Augenblick eine zunehmende Nachfrage nach Urlaubs- und Vergnügungsreisen zu beobachten. Dies resultiert auch weitgehend in Fernreisen. Dass Fernreisen gegenüber Kurzstrecken eine viel höhere Belastung des Klimas erzeugen, stellt klar, wie kritisch diese Verschiebung zu sehen ist. Also lieber Urlaub im Schwarzwald als auf Bali! Und damit keine Notwendigkeit für einen Flug.
Ein weiteres leidiges Thema war die sehr umstrittene dritte Startbahn. Es wurde befürchtet, dass sowohl die geplante Eventarena als auch eine mögliche Nutzung der Arena für eine Olympiade einen Kick für den Bau der Dritten geben könnte. Dies wird etwas entkräftet durch die Beobachtung, dass zunehmend weniger Umsteigeverbindungen geflogen werden, sondern mehr Direktverbindungen. Dies reduziert die Flugbewegungen insgesamt.
Auch die Flughöhe wurde als Steuerelement für Klimabelastung angesprochen. Je höher ein Flugzeug fliegt, desto weniger Verbrauch und damit Abgase hat es. Andererseits sind in großen Höhen die Effekte der Abgase aufs Klima drastisch anders. Aus finanziellen Gründen dürften auf absehbare Zeit kaum Anreize für ein Fliegen in geringeren Höhen entstehen.
Umstritten war die Bedeutung einer ICE-Anbindung des Flughafens. Trotz aller Vorteile, welche eine Anreise zum Flughafen per Bahn gegenüber einer Anreise per Pkw oder gar Flugzeug bietet, scheint eine Anbindung eher als Anreiz für noch mehr Flüge zu dienen.
