Debatte vom 16. Juni 2026

Warum ist oben alles voll und unten alles leer?
Sigrid Eck, Heiko Bielinski und Wiebke Hederich von der Initiative Parkraumwende erläuterten die Parkraumsituation in der Münchner Innenstadt und stellten Lösungsmöglichkeiten vor.
In München gibt es immer wieder Konflikte bei der Neuverteilung des öffentlichen Raums, wenn z. B. neue Radwege oder Fußgängerzonen beschlossen werden und Parkplätze entfallen. Durch Überbuchung in Parklizenzgebieten (ca. 120.000 Lizenzen bei gut 90.000 Parkplätzen) entsteht Parksuchverkehr und Frust bei den Lizenzinhaber*innen. Gleichzeitig sind die Parkhäuser in der Innenstadt nicht ausgelastet. Dazu gibt es Datenmaterial. Ebenso stehen private und Behörden-Tiefgaragen in München zu weiten Teilen leer. Dies sind Ergebnisse von Stichproben. Eine offizielle Statistik über die Anzahl privater PKW-Abstellplätze in den Münchner Stadtvierteln existiert nicht.
Die Initiative Parkraumwende hat begonnen, Daten zu privatem Parkraum zu sammeln, und stellt diese als Karte im Web zur Verfügung. Da noch viele Daten fehlen, bittet die Initiative um Mitarbeit beim Datensammeln.
Generell lässt sich aber sagen, dass viel ruhender Verkehr vom öffentlichen Parkraum in den privaten Parkraum umgeleitet werden könnte. Aber, wer geht in die Kneipe, wenn es vor der Tür Freibier gibt?
Die Obergrenze von 30,70 € pro Jahr für Bewohnerparklizenzen ist nicht in Stein gemeißelt, sie könnte für nicht vorrangige Nutzer ausgehebelt werden. Bei Lizenzanträgen trotz vorhandenem Stellplatz, für Firmen, Zweitwagen oder Fahrzeuge mit Übergrößen könnten Ausnahmegenehmigungen ausgestellt werden. Dabei sind heute schon Gebühren bis zu 767 € pro Jahr rechtlich erlaubt.
Eine weitere Möglichkeit ist das Landauer Modell. Dort gibt es kein Parklizenzgebiete, sondern normale Parkraumbewirtschaftung mit Dauerparkausweis für z. Zt. 30 € pro Monat. Obergrenze in Bayern liegt bei 15 € pro Tag bzw. 250 € pro Monat.
Ein dritte Möglichkeit ist die Entwidmung von Verkehrsflächen und die anschließende privatrechtliche Vermietung von Stellplätzen. Zum Beispiel unter Stelzengebäude oder Brücken.
Ein weiterer sozialer Aspekt ist die Zwangsmiete für Stellplätze, die man oft mitmieten muss, auch wenn man kein Auto besitzt. Die Weitervermietung ist wegen der günstigen Alternativen im öffentlichen Raum oft nur mit Verlusten oder gar nicht möglich.
In der anschließenden Debatte wurden Fragen oder Erfahrungsberichte besprochen. U. a. ging es um die Tiefgaragen von Landratsamt München, Patentamt oder Münchner Rück. Ohne Kooperation mit den Eigentümern gelingt die private Vermietung leerer Stellplätze nicht. Auch dass Gastronomie und (Bau-)handwerk bei Dauernutzung von Straßenflächen deutlich höhere Gebühren zahlen, wurde angesprochen.
Herzlichen Dank für Eure Arbeit, liebe Parkraumwende, und bei den Teilnehmenden für ihre Beteiligung!
→ Link zur Parkraumwende-Website
