Debatte vom 8. Juli 2025

Olympia in München – Fluch oder Segen?
Olympia macht Spaß, Olympia ist super! Alle haben was davon, alle profitieren, die Spiele schaden niemandem, sie sind nachhaltig, sie bringen die ganze Region voran! Olympia 1972 hat München vom Dorf zur Weltstadt katapultiert – das wollen wir nochmal!
Diesen sehr optimistischen Ansatz für eine Bewerbung Münchens für eine der Olympiaden 2036, 2040 oder 2044 sah Florian Kaiser, politischer Referent beim BN in München, als nichtzutreffend an. Nach seiner Präsentation bei der VCD Debatte war klar, welche Haken und Ösen mit solch einer Bewerbung verbunden sind. Bis zum Ratsentscheid, der am 26. Oktober in München abgehalten wird, sollte sich die Bevölkerung ein klares Bild über die Auswirkungen machen, wo sie ihr Kreuzchen setzen. Der Vortrag und die anschließende Diskussion waren sehr hilfreich dafür.
Ein besonders heikler Punkt ist die Rolle des IOC. Als privatwirtschaftlich organisierter Verein, dessen Ziel vor allem in Gewinnerzielung besteht, stellt der Vertrag mit dem Ausrichter der Spiele, der so genannte Host City Contract, eine Reglementierung dar, welche der Stadt wenig Möglichkeiten für freie Entscheidungen offenlässt. Viele Einschränkungen vor und während der Spiele werden vorgegeben. Das IOC hat zwar seine Verfahren aktualisiert und teilweise reformiert, aber das Ergebnis ist vollkommen unklar.
Da man speziell die Investitionen in zusätzliche Verkehrsinfrastruktur häufig als Vorteil einer Olympia-Ausrichtung sieht, sollten die hierbei entstehenden Maßnahmen genau unter die Lupe genommen werden: Was ist wirklich sinnvoll? Helfen neue ÖV-Linien oder Straßen auch langfristig? Können geplante Erweiterungen rechtzeitig fertig werden? Ähnliche Sorge betrifft den Bau des Olympischen Dorfs in Daglfing. Unbestritten werde Baumaßnahmen auf Straße und Schiene zu erheblichen Behinderungen und Einschränkungen führen.
In der Diskussion wurden viele Meinungen geäußert, die sich ebenfalls gegen eine Bewerbung Münchens aussprechen. Der VCD-Landesverband hingegen sieht auch Chancen in der Bewerbung, weil Infrastrukturverbesserungen beschleunigt oder mit finanzieller Unterstützung leichter durchzuführen sind. Dass hierbei aber andere, konkurrierende Maßnahmen auf der Strecke bleiben, wurde von anderen Teilnehmenden dagegen angeführt.
Die von der Stadt als „gute Gründe“ für die Bewerbung aufgeführten Punkte erwecken den Eindruck, dass viele Ideen noch nicht ausgegoren sind. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass die Bewerbung allenfalls mit Möglichkeiten ins Rennen gehen will, aber nicht mit konkreten Planungen.
Für den Münchner Verkehr spielt auch die temporäre Nutzung der geplanten Event-Arena am Flughafen eine wichtige Rolle. Nicht nur, dass diese Arena vom VCD-Kreisverband Freising und anderen vehement abgelehnt wird, würde ihre Nutzung bei der Olympiade möglicherweise dazu führen, dass der Flughafen doch noch seine dritte Startbahn bekommt. Dies muss verhindert werden.
→ Link auf Artikel in der Süddeutschen Zeitung










