Schluss mit dem Zuparken von Geh- und Radwegen:
Demo für mehr Sicherheit für Fuß- und Radverkehr!
München:
Die Fraktion ÖDP/München-Liste, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Bund Naturschutz München, FUSS e.V. und der Verkehrsclub Deutschland München (VCD) haben gemeinsam zu einer Demonstration für freie Geh- und Radwege aufgerufen.
Wir haben hier den Artikel von Anja Schaefer aus unserer Mitgliederzeitung nahfairkehr, Ausgabe Oktober 2017, noch einmal aufgegriffen. Leider treffen die Beobachtungen weiterhin zu. Der ursprüngliche Text wurde gendergerecht umgeschrieben. Das Titelbild ist KI-generiert.
Pressemitteilung vom 21.03.2024(VCD-Bundesverband)
Endlich saubere Luft in München: Deutsche Umwelthilfe und VCD setzen vor Gericht Ausdehnung der Dieselfahrverbote auf Euro 5 Fahrzeuge durch
Berlin:
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat heute der Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des ökologischen Verkehrsclubs VCD gegen die Abschwächung des Luftreinhalteplans für München stattgegeben. Die Anpassung der 8. Fortschreibung des Luftreinhalteplans, mit der die Stadt München einen verbindlichen Vergleich mit der DUH und dem VCD einseitig aufgekündigt hatte, ist demnach rechtswidrig. Die Stadt muss gemäß dem heutigen Urteil den Luftreinhalteplan nun schnellstmöglich nachbessern und eine bisher rechtswidrig verweigerte Ausdehnung der Dieselfahrverbote auf Euro 5 Fahrzeuge erlassen, um eine Grenzwerteinhaltung beim Dieselabgasgift NO2 bereits im Jahr 2024 zu erreichen.
Die Pressemitteilung kann nachgelesen werden unter:
Kinder sicher zu Fuß? Der Schulweg-Check in München
Selbstständig unterwegs sein ist für Kinder ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung. Das eigene Stadtviertel erkunden zu können führt zu einer ganz anderen Wahrnehmung ihrer Welt. Mit Freundinnen und Freunden zu Fuß zur Schule gehen ist insbesondere in der Grundschule ein wichtiger Teil des Tages und viel mehr als nur „Mobilität“.
Wie sicher sind die Schulwege für Kinder in München? Die „Initiative Fußverkehr München“, eine Zusammenarbeit von FUSS e.V., VCD, BN und Green City e.V., hat sich einige Grundschulen in München vorgenommen und einen „Schulweg-Check“ durchgeführt. Dabei ging es um die Frage: wie sicher, wie übersichtlich und wie bequem sind die Wege zur Schule für Schulkinder? Anais Schuster Brandis, Sprecherin von FUSS e.V. München, stellte die Ergebnisse vor.
Da der Schulweg so viel mehr ist als reine Mobilität, sondern mit Umgebungs-Erfahrung, sozialen Kontakten, Erkennen von Wegmarken zu tun hat, ist es immens wichtig, diese Wege so sicher wie möglich zu halten. Mit einem Team von 11 freiwilligen Checkern wurden im Oktober 2023 die Schulwege von acht Grundschulen auf ihre Sicherheit geprüft und fotografisch dokumentiert. Für einige der Wege wurden beispielhaft gefährliche oder behindernde Situationen erfasst, und auch störende. Das Spektrum an Problemen umfasst:
Falsch geparkte Autos oder LKWs auf Gehwegen und Querungen
Motorräder, Roller oder Fahrräder auf den Gehwegen
Baustellen
sonstige Hindernisse wie Mülltonnen, Litfaßsäulen, Hecken, Verteilerkästen, Gaststätten-Mobiliar
E-Scooter auf den Gehwegen
Die Checks sind nur Stichproben und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Trotzdem zeigt sich, dass der Weg zur Schule und zurück in der Regel nicht gefahrfrei bewältigt werden kann. Dazu kommt noch, dass in vielen Bereichen der Stadt die Gehwege auch ohne zusätzliche Behinderungen sehr schmal sind und in keiner Weise eine bequeme, sichere Nutzung erlauben. Bei Kreuzungen sind Sichtverbindungen eingeschränkt, und häufig ist aus der Perspektive eines Kindes eine Straßensituation noch schwieriger zu erfassen als für eine Erwachsene.
Die anschließende Diskussion griff etliche Punkte auf. Besonders ärgerlich ist es, dass es für viele mögliche Verbesserungen erst einmal eine größere Anzahl an Beschwerden braucht. Bei wirklich sicherheitsrelevanten Entscheidungen wird zudem davon ausgegangen, dass zunächst mal etwas passiert sein muss. Eine Gefährdung allein reicht nicht aus. Einhellige Meinung aus der Runde: Druck kontinuierlich aufbauen, gemeinsam und regelmäßig Probleme melden. Im Notfall mit einer Mail an den Oberbürgermeister.
Das allseits beliebte Thema der Gehwegparker wurde natürlich auch besprochen, weil diese Unsitte in München so weit verbreitet und kaum geahndet ist. Die zaghaften Verbesserungen bei KVÜ und Polizei lassen noch sehr viel Luft nach oben, bis die Gehwege wirklich dem Fußverkehr zur Verfügung stehen.
Initiative Fußverkehr München fordert Priorisierung des Projekts an der Lindwurmstraße
München:
Die Lindwurmstraße in München ist nicht nur eine wichtige Verkehrsachse, sondern auch ein Zentrum für die Nahversorgung und verschiedene soziale Einrichtungen. Viele Menschen sind hier zu Fuß unterwegs, zum Einkaufen, zur Erledigung von Besorgungen, zum Kindergarten. Seit Jahren ist die Situation nicht akzeptabel: für das hohe Aufkommen an Fußgänger:innen ist der Gehweg viel zu schmal. Die gemeinsame Führung von viel zu engem Fuß- und Radweg führt täglich zu gefährlichen Situationen. Eltern beklagen sich immer wieder über die prekären Schulwege ihrer Kinder.
Daher begrüßt die Initiative Fußverkehr München, ein Zusammenschluss von FUSS e.V. München, VCD München, Bund Naturschutz e.V. Kreisgruppe München sowie Green City e.V. ausdrücklich die neuen Planungen der Stadt, Fuß- und Radverkehr klar getrennte Flächen zuzuweisen und den Menschen zu Fuß mehr Platz einzuräumen. Das ist dringend notwendig, denn die Sicherheit von Fußgänger:innen muss Vorrang haben! Angesichts zunehmender Probleme des Einzelhandels ist die Neugestaltung der Lindwurmstraße zudem eine wesentliche Maßnahme zur Stärkung dieser Einkaufsstraße.
Der Umbau der Lindwurmstraße ist ein essenzielles Projekt zur Verbesserung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität für alle.
Wir fordern Herrn Oberbürgermeister Dieter Reiter, den Stadtrat der Landeshauptstadt München sowie die zuständigen Bezirksausschüsse eindringlich auf, den Umbau der Lindwurmstraße auf höchste Priorität zu setzen und den Start des Umbaus schnellstmöglich zu veranlassen! Machen Sie die Lindwurmstraße sicher. Sorgen Sie dafür, dass jung und alt sicher und gut unterwegs sein können!
Kontakt:
Anais Schuster Brandis,
Sprecherin der Ortsgruppe FUSS e.V. München muenchen@fuss-ev.de
Mobil 0178 218 66 87
München wie geht’s? – Fußverkehr in der Münchner Mobilität
Wie steht es um den Fußverkehr in München? Dazu wollten wir uns mit dem Münchner Fußverkehrsbeauftragten Ronald Benke austauschen. In seinem Referat brachte er eine Menge an interessanten Informationen zu den folgenden vier Themenfeldern: Münchner Daten zum Fußverkehr; Verkehrssicherheit des Fußverkehrs; Teilstrategie Fußverkehr in der Mobilitätsstrategie 2035; Fußverkehr in der Stadtverwaltung München.
Mit vielen Zahlen wurde dargestellt, wie es denn in München um Fußverkehr, um Verkehrsmittelwahl, Wegelängen oder um Wegedauer aussieht, jeweils gegliedert nach verschiedenen Kriterien.
Bei der Betrachtung der Sicherheit zeigt es sich, dass leider jährlich etwa sieben Fußgänger*innen im Verkehr getötet werden, fast die Hälfte der jährlichen Verkehrstoten. Besonders häufig verunfallen Frauen zwischen 60 und 90 Jahren sowie Kinder bzw. Jugendliche (w/m) zwischen 5 und 25 Jahren.
Die Teilstrategie Fußverkehr soll dazu beitragen, das Ziel der Mobilitätsstrategie 2035 von 80 % des Verkehrs mit abgasfreien Fahrzeugen, ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr bis zum Jahr 2025 zu erreichen; die Priorität des Fußverkehrs soll erhöht werden. Interessanterweise fällt das Jahr 2025 zusammen mit der geplanten Fertigstellung der Teilstrategie; mehr als die Sofortmaßnahmen kann also zum Erreichen dieses Ziels nicht beitragen. Ein Exkurs in die elf Handlungsfelder mit 35 Maßnahmen rundete die Vorstellung der Teilstrategie Fußverkehr ab. Als Beispiel wurde das Einfärben von Radwegen und das Ausstatten mit Piktogrammen an drei Stellen der Stadt genannt, wo sie an Haltestellen vorbeigeführt werden. Eine andere Sofortmaßnahme soll es durch die Verwendung von technischen Hilfsmitteln erlauben, die Grünphase fürs Queren einer Kreuzung so zu verlängern, dass sie auch für weniger mobile Personen lang genug wird.
Die Berücksichtigung des Fußverkehrs in der Stadtverwaltung ist noch im Aufbau begriffen. So gibt es noch kein Einbinden von Verbänden und Beiräten in den Lenkungskreis Fuß bzw. den Runden Tisch Fußverkehr. Was in der Zusammenarbeit mit den anderen Referaten schon in die Gänge gekommen ist, sind Sommerstraßen, Fußgängerzonen und Schanigärten.
In der anschließenden Diskussion (es haben knapp 40 Personen an der VCD Debatte teilgenommen!) ging es um sehr viele einzelne Aspekte, wie jede und jeder den Fußverkehr in München wahrnimmt. Von Gehwegbreiten angefangen über das Verhindern vom Gehwegparken bis hin zur Optimierung von Lichtsignalanlagen. Als Exkurs kamen wir auch auf „unmarkierte“ Radwege zu sprechen, wo als Beispiel die unbefriedigenden Realisierungen am Harras oder am Prinzregentenplatz genannt wurden.
Da sich zum Thema Fußverkehr gerade so viel tut, werden wir wohl vor Ende 2024 eine weitere VCD Debatte abhalten, um den Stand zu aktualisieren.
Bertolt-Brecht-Gymnasium in Pasing gewinnt Batteriescheinwerfer bei VCD Jugendkampagne »FahrRad! Für’s Klima auf Tour«
Presseinformation des VCD München vom 28. November 2023
Jugendliche aus ganz Deutschland legen bei dem Projekt „FahrRad! Für’s Klima auf Tour“ des ökologischen Verkehrsclubs VCD und der AKTIONfahrRAD für den Klimaschutz 1,1 Millionen Kilometer auf dem Fahrrad zurück. Die Schülerinnen des Bertolt-Brecht-Gymnasiums zählen zu den Gewinnern des Wettbewerbs.
In Paris hat in den letzten Jahren ein grundsätzlicher und beispielhafter Wandel bezüglich Infrastruktur und Raumverteilung zugunsten des Radverkehrs stattgefunden. Dort vollzieht sich aktuell in atemberaubender Geschwindigkeit die Veränderung von einer Stadt ohne Fahrräder zu einer Radlstadt!
Wichtiger Meilenstein dieser Entwicklung war die Wahl von Anne Hidalgo zu Bürgermeisterin von Paris im Jahr 2014. Mit ihrem Programm stellt sie den zentralen Motor der Transformation der Stadt zur Fahrradmetropole dar. Die Ansätze der ersten Jahre wurden durch eine Vielzahl an Pop-Up-Bikelanes während Corona ergänzt, die seit der Wiederwahl im Sommer 2020 systematisch in dauerhafte Fahrradspuren umgewandelt werden. Mut zu zügiger Umsetzung und auch der Mut, suboptimale Lösungen dann entsprechend zu benennen und zu adaptieren oder zu korrigieren, zeichnet die Maßnahmen aus.
Der Vortrag legt einen Schwerpunkt auf zwei aktuelle Prozesse. Zum einen ist die radfahrerfreundliche Politik nach Corona in die Region übergeschwappt. Dort wird – ebenfalls mit ambitionierten Zielen und im Vergleich zu deutschen Verhältnissen rasanter Umsetzung – die Radwegeinfrastruktur durch ein Netz von regionalen Rad(schnell)routen in die Nachbarkommunen erweitert. Zum anderen erfährt die Radverkehrsförderung anlässlich der Olympischen Spiele 2024 einen weiteren Booster. Alle Spielstätten werden mit dem Fahrrad erreichbar sein. Hierfür wird in Rekordzeit das Netz vervollständigt.
Andreas Kagermeier berichtet über die Entwicklungen und geht der Frage nach den Erfolgsfaktoren nach. Auch versucht er, Antworten darauf zu finden, wie die Veränderungen in Paris mehrheitsfähig bleiben oder werden, und wie sich das Wechselspiel zwischen Politik und Zivilgesellschaft darstellt.
Andreas Kagermeier ist Verkehrsgeograph und beim VCD in Freising sowie im Landesverband aktiv. Er war stellvertretender Beauftragter des Radentscheids Bayern. Er hat sich die die Entwicklungen in Frankreichs Hauptstadt vor Ort angesehen und schildert seine Beobachtungen, Erfahrungen und Gespräche mit lokalen Akteurinnen und Akteuren.